Lea Blattner ist jung und politisch aktiv – und sie outete sich als lesbisch. So weit, so gewöhnlich. Doch Lea politisiert in einer Partei mit Namen «Evangelische Volkspartei», kurz EVP. Als ich im Januar dieses Jahres erstmals von dieser Geschichte las, dachte ich mir: Oha, das geht schief. Und tatsächlich: Gemäss dem – wie doch immer gut informierten – «Blick» werde Lea Blattner demnächst den Austritt aus der EVP bekanntgeben und entweder zur SP oder zu den Grünen wechseln.
Es war ungefähr vor einem Jahr als sich Lea Blattner als lesbisch outete. Daraufhin wurde sie beschimpft und bedroht – auch von Personen innerhalb der EVP. Daraufhin gab Lea den Rücktritt aus allen ihren Ämtern innerhalb der Partei bekannt, trat aus dem Parteivorstand der EVP Schweiz, aus dem Kantonalvorstand der EVP Baselland und aus dem Co-Präsidium der Jungen EVP Schweiz zurück.
Die EVP selbst bedankte sich im Januar in einer Medienmitteilung bei Lea Blattner für die «wertvolle Arbeit» und verurteilte «als Partei, die der Nächstenliebe verpflichtet ist», jede Art von und persönlichen Anfeindungen: «Persönliche, politische oder theologische Meinungsverschiedenheiten dürfen nicht zu Ausgrenzung, Anfeindungen oder gar Drohungen führen». Anfang Februar teilte die EVP dann mit einer weiteren Medienmitteilung mit, dass «ein erstes persönliches Treffen zwischen Lea Blattner und einer Vertretung der Parteileitung» stattgefunden habe. Dieses Gespräch sei der «Auftakt für einen gemeinsam getragenen Aufarbeitungsprozess». In der gleichen Medienmitteilung war dann auch zu lesen, dass «derzeit keine Hinweise vorliege, die eine eindeutige Zuordnung der Gewaltandrohungen zu Parteimitgliedern zulassen». Mich erinnert diese Aussage an die Geschichte von Pontius Pilatus, der mit den Worten «Ich wasche meine Hände in Unschuld» erklärte, er sei nicht für den Tod Jesu verantwortlich.
Ich freue mich nun darüber, dass Lea Blattner ganz offenbar der Politik treu bleibt und sich weiterhin einsetzt. Es gibt nämlich in Sachen «Nächstenliebe» auf dem politischen Parkett noch viele Baustellen. Das Verbot von sogenannten Konversionstherapien beispielsweise.
Der Wechsel zu den Grünen
Kaum hatte ich die obenstehenden Zeilen gepostet, wurde es offiziell: Lea Blattner wechselt zu den Grünen. Gemäss Medienbericht sei für den Parteiwechsel entscheidend gewesen, dass in der EVP unterschiedliche «theologische Überzeugungen» weiterhin Platz haben sollen. So war etwa in der EVP-Postille zu lesen: «Die EVP ist eine Partei, in der unterschiedliche persönliche und auch theologische Überzeugungen Platz haben». Dies sei kein Problem, sondern Teil der Identität der Partei.
Das bedeutet: Eine theologische Haltung, die Homosexualität als Sünde bezeichnet, wird innerhalb der EVP weiterhin geduldet – was notabene den Nährboden für Diskriminierung schafft.
Für Lea Blattner hätte ein Verbleib in der EVP bedeutet, diese fragwürdige Haltung mitzutragen oder zumindest zu legitimieren. «Das kann und will ich nicht», wird sie von verschiedensten Zeitungen zitiert. Hass gegenüber ihr zu verurteilen, sich aber gleichzeitig nicht von der dahinterstehenden Queerfeindlichkeit zu distanzieren, ist heutzutage sowieso mehr als fragwürdig und hat schlussendlich weder mit einer theologischen Überzeugung noch mit der in diesem Zusammenhang vielgepriesenen Meinungsfreiheit etwas zu tun.
