Strategie für eine bessere psychische Gesundheit von queeren Menschen

Studien beweisen immer wieder: lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche, aromantische, asexuelle und andere queere Menschen sind in der Schweiz stärker von Depressionen, Angststörungen und Suizidalität betroffen als der Rest der Bevölkerung. Deshalb besteht eigentlich schon seit Jahren Handlungsbedarf – in der Politik, in der Gesundheitsvorsorge und auch in der Gesellschaft. Ein wichtiger Schritt ist deshalb sicher, dass unsere Dachverbände Pink Cross, LOS, TGNS und InterAction nun zusammen mit diversen queeren Organisationen und Expert*innen aus Forschung und Praxis die «LGBTIQA+ Mental Health Strategie» erarbeitet haben.

Die soeben veröffentlichte Strategie zeigt auf, welche Massnahmen nötig sind, damit queere Menschen in der Schweiz sicher und gesund leben können. Das soll von der Verankerung in Präventionsprogrammen über diskriminierungsfreie Versorgung bis zur Stärkung bestehender Community-Strukturen gehen. Deshalb richtet sich das Strategiepapier insbesondere an politische Entscheidungstragende, Fachstellen und Gesundheitsinstitutionen. Und in einer gleichzeitig mit der Strategie veröffentlichten Medienmitteilung fordern unsere Dachverbände die nationale Politik auf, möglichst bald zu handeln.

Das wichtigste in Kürze als PDF

Bereits vor vier Jahren hat der Bundesrat im Bericht zum Postulat 19.3064 von Nationalrätin Samira Marti Unterschiede in der gesundheitlichen Verfassung von queeren Personen und der Allgemeinheit beschrieben. In diesem Bericht hat der Bundesrat zwar die gesundheitlichen Ungleichheiten anerkannt – doch keine konkreten Schritte eingeleitet. Währenddessen wird unsere Gesundheit vermehrt politisch instrumentalisiert – was sich vor allem auch mit dem grossen Unwissen im Umgang mit trans* Personen im wieder auf schreckliche Art zeigt.

An dieser Stelle erlaube ich mir kurz einen Rückblick auf die Herbstsession von 2019 und auf die Debatte im Nationalratssaal, ob nun der Bundesrat beauftragt werden soll, einen Bericht zur gesundheitlichen Verfassung von queeren Personen zu verfassen oder nicht. Spannend sind die dabei die Voten der Gegner*innen. So meinte etwa Hans-Ueli Vogt (SVP, «Schwule feinden mich öfter an als SVP-Leute»), dass ein solcher Bericht die Stereotype und die Diskriminierung sogar fördern und zementieren könnte. Und Verena Herzog (SVP, «’Ehe für alle‘ schadet dem Kindswohl») meinte, dass so «diesen» Menschen die Eigenverantwortung abgesprochen werde, für «ihre Gesundheit zur sorgen wie alle anderen auch».

Dabei ist klar, dass die Gesundheit von uns queeren Personen eng mit den gesellschaftlichen Haltungen und der gesetzlichen Gleichstellung verknüpft ist.

Wichtig ist auch, dass sich lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche, aromantische, asexuelle und andere queere Menschen jeden Alters in ihrer Community aufgehoben fühlen. Und da leisten die unzähligen queeren Vereine – von den lokalen Gruppen über die queeren Sportvereine bis hin gerade auch zu den drei queerAltern-Vereinen eine äusserst wichtige Arbeit, die auch von der öffentlichen Hand Unterstützung verdient.

Für mich als queeralternde Person im Altersunruhestand und Co-Präsident von queerAltern Bern stelle mir zu guter Letzt nach der Durchsicht der Studie die Frage, warum bei einer Gesundheitsstrategie für queere Menschen nicht auch vermehrt ein Augenmerk auf die ältere Generation queerer Menschen gelegt wird. Viele ältere und alte queere Menschen haben Angst vor Einsamkeit und auch Angst, sich in Pflegeinstitutionen (wieder) verstecken zu müssen, was notabene auch nicht gerade förderlich für eine gute psychische Gesundheit ist.

→ Download der LGBTIQA+ Mental Health Strategie (deutsch)