Von Pfäffikon ZH auf die Bretter, die die Welt bedeuten

Von einer Schulleitung, die Mitte 2024 in Pfäffikon ZH auf Druck von fundamentalistischen Stimmen einen schwulen Lehrer entlassen hat – und ein Wink (und Link) zur Evangelischen Volkspartei EVP. Und die Genugtuung Anfang 2026: Die Geschichte des entlassenen Lehrers hat das Theater Neumarkt in ein Theaterstück verpackt und feiert damit einen grossen Erfolg.

Rückblende! Am 18. April 2004 hat der «Tages-Anzeiger» unter der Überschrift «Wie Eltern einem schwulen Lehrer das Leben zur Hölle machten» die Vorkommnisse in Pfäffikon ZH protokolliert: Gemäss Lehrplan 21 sei der Sexualkundeunterricht an der Zürcher Volksschule Pflicht. Dass dieses Thema heikel und der Unterricht entsprechend mit «Umsicht» durchzuführen ist, wüsste auch der besagte schwule Lehrer – der «Tages-Anzeiger» nannte ihn damals «Daniel Brunner». Umso härter habe es ihn dann getroffen, als er mit heftigen Vorwürfen von wertkonservativen Eltern gegen seinen Sexualunterricht konfrontiert war. «Allesamt sind sie haltlos, das bestätigte die Schulleitung unter anderem in mehreren Schreiben an die Eltern und die Lehrer», war in den Zeitungen zu lesen. Die Vermutung lag damals nahe, dass wohl nicht der Sexualunterricht das Problem war, sondern die sexuelle Orientierung des Lehrers, stellt doch Homosexualität für christliche und muslimische Fundis oft eine Gefahr für ihr Weltbild dar.

Ganz offenbar hatte die Schulleitung den fundamentalistischen Stimmen aus der Elternschaft nachgegeben und damit der ideologischen Beeinflussung auf den Lehrplan nachgegeben!

Glücklicherweise gab es damals aber auch Eltern, die sich für «Daniel Brunner» einsetzten. Mit einem offenen Brief forderten diese als Konsequenz für die Entlassung des Lehrers den Rücktritt der Schulleitung. Daraufhin ist dann auch tatsächlich der damalige Schulpräsident Hanspeter Hugentobler (EVP) zurückgetreten – aus gesundheitlichen Gründen. Beruflich ist der verheiratete Vater von drei Kindern – noch heute – Geschäftsführer von ERF Medien (Schweiz). Die «Fachredaktion im Bereich Glaube und Gesellschaft» versteht sich als multimediales Medienunternehmen, das «von der Liebe Gottes zu allen Menschen» berichtet. Ein Produkt des Unternehmens ist u.a. das «Fenster zum Sonntag» – ausgestrahlt im Schweizer Farbfernsehen. Der Sendung wird immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, eine christliche Propagandasendung für Freikirchen zu sein.

Hanspeter Hugentobler sitzt seit 2015 für die Evangelische Volkspartei EVP im Zürcher Kantonsrat. EVP? War da nicht noch etwas mit Mobbing gegen die Co-Präsidentin der Jungen EVP Schweiz?

Vor ein paar Wochen sorgte Lea Blattner für Schlagzeilen («Als Lesbe angefeindet»). Anfeindungen in ihrer Partei habe sie bewogen, als dem Parteivorstand der EVP Schweiz, aus dem Co-Präsidium der Jungen EVP Schweiz und aus dem Kantonalvorstand der EVP Baselland zurückzutreten. «Seit meinem Coming-out habe ich innerhalb der EVP und ihrem Umfeld viel Liebe, aber auch wiederholt Ablehnung und Hass erlebt», schrieb sie auf Instagram. Diese Erfahrung habe ihre psychische Gesundheit angegriffen. Sie gehe jetzt aber an die Öffentlichkeit, weil es wichtig sei, auf das Thema aufmerksam zu machen.

Mit einer Medienmitteilung beeilte sich die EVP um «Schadensbegrenzung»: «Als Partei, die der Nächstenliebe verpflichtet ist, verurteilt die EVP jede Art von Hass und persönlichen Anfeindungen. Persönliche, politische oder theologische Meinungsverschiedenheiten dürfen nicht zu Ausgrenzung, Anfeindungen oder gar Drohungen führen.»

Aber zurück zum entlassenen Lehrer in Pfäffikon SZ. Das Theater Neumarkt in Zürich erzählt nun seine Geschichte in einer berührenden Bühnenversion.

Die Aufführung «Schwule Lehrer» findet mit langem Applaus und Standing Ovation grosse Resonanz beim Publikum – und alle Vorstellung waren sofort restlos ausverkauft. Im Mai und Juni soll es allerdings weitere Vorführungen geben. Und auch in der Presse bekommt das Stück grosses Lob. So schrieb der «Tages-Anzeiger»: «Die Inszenierung findet eine Balance zwischen dem Ernst des Themas und witzigen, kreativen Regieeinfällen».